FIDA – Gamechanger oder drohendes Bürokratiemonster?

Christian Weitzel

Christian Weitzel

Managing Consultant

  • 05.03.2025
  • Lesezeit 4 Minuten
FIDA – Gamechanger oder drohendes Bürokratiemonster

Kommt FIDA oder wird die EU-Verordnung gestrichen? Im Vorfeld der Präsentation des Arbeitsprogramms 2025 der EU-Kommission wurde bereits das Ende von FIDA kolportiert. Einmal mehr hat sich die Gerüchteküche als falsch erwiesen:

FIDA befindet sich auf der Liste der sogenannten „pending proposals“, der Liste der zu überprüfenden Initiativen. Versicherungs- und Kreditwirtschaft befürchten Aufwandsgrößenordnungen zur Umsetzung von FIDA, die den Nutzen infrage stellen. Mindestens werden Vereinfachungen gefordert. Ob FIDA wie geplant Mitte 2025 in Kraft tritt, ist nach derzeitigem Stand nicht sicher.

Aber worum geht es eigentlich bei FIDA und ist „Abwarten“ das Gebot der Stunde?

Mit der geplanten EU-Verordnung FIDA (Financial Data Access) kommt Open Finance nach Deutschland: Erstmals sollen Dritte in einem gesetzlich geregelten Rahmen Zugriff auf Daten von Bank- und Versicherungskunden erhalten und diese gezielt nutzen dürfen.

Paradigmenwechsel der Datenbereitstellung und -nutzung

Was sich zunächst wie eine Erweiterung der Anforderungen liest, die bereits im Kontext der Digitalen Rentenübersicht umzusetzen waren, beinhaltet für die Versicherungswirtschaft erhebliche Herausforderungen, wenn nicht einen Paradigmenwechsel im Umgang mit ihren Kunden und Kundendaten:

  • Kunden (Personen ebenso wie Unternehmen) können ihre Daten unmittelbar und kostenfrei einsehen und Dritte (Datennutzer) berechtigen, ihre Daten zu nutzen – gleichermaßen können sie erteilte Berechtigungen jederzeit wieder entziehen.
  • Dateninhaber müssen ihren Kunden und berechtigten Datennutzern diese Daten unmittelbar, d. h. Realtime zur Verfügung stellen.
  • Datennutzern eröffnen sich neue, umfassende Wege der Kundenberatung und des Vertriebs

Dateninhaber (und Datennutzer) sind dabei keineswegs nur Versicherungsunternehmen, sondern gleichermaßen Versicherungsvermittler, Finanz- und Versicherungsmakler, Ratingagenturen und weitere.

Herausforderungen der Umsetzung

Für Dateninhaber und Datennutzer stellen sich damit unmittelbare Fragen:

  • Haben wir ausreichende Möglichkeiten, unsere Kunden eindeutig zu identifizieren?
  • Sind wir in der Lage, Kundendaten – und dabei handelt es sich keineswegs „nur“ um Vertragsdaten – gewissermaßen „auf Knopfdruck“ bereitzustellen?
  • Sind wir in der Lage, Vergütungen für bereitgestellte Daten zu erheben bzw. für konsumierte Daten zu bezahlen?

Der Datenaustausch soll dabei über sogenannte Financial Data Sharing Schemes (FDSS) erfolgen, zu deren Beitritt Dateninhaber sowie Datennutzer verpflichtet und in denen Themen wie Authentifizierung/Autorisierung, Datenformate, Fragen der Speicherung, Vergütungen für bereitgestellte Daten etc. geregelt werden.

FIDA als potenzieller Gamechanger

Alles gut also, die Mühlen der EU mahlen langsam und wir warten erst einmal ab, bis Initiativen wie das Brancheninstitut für Prozessoptimierung (BiPRO e. V.) und die Free Insurance Data Initiative (FRIDA e. V.) ihre Schemes bereitstellen?

Keineswegs! Auch wenn FIDA auf der Liste der „pending proposals“ steht und der Umsetzungsrahmen für FIDA im aktuellen Entwurf auf 48 Monate gestreckt wurde – FIDA soll im Versicherungsbereich nach aktuellem Stand nach den Vorstellungen von EU-Kommission und –Rat binnen zwei Jahren nach Inkrafttreten der Verordnung Realität werden.

Innerhalb von zwei Jahren nach Inkrafttreten müssten also:

  • Schemes definiert worden sein
  • Onlinezugänge samt Dashboard angebunden/bereitgestellt werden
  • Kunden von allen Beteiligten eindeutig identifiziert werden können
  • Scheme-Anforderungen umgesetzt werden (im Versicherungsbereich mindestens für Kfz)
  • und Daten in Echtzeit bereitgestellt werden (können).

Soweit das „Handwerk“ oder auch die „Pflichten“ von FIDA.

Was ist aber mit den Auswirkungen auf das Geschäftsmodell? Welche Chancen und Risiken ergeben sich aus der neu gewonnenen Transparenz – im Privatkundengeschäft wie im gewerblichen Umfeld? Sind wir auf ein zunehmend datengetriebenes Geschäft vorbereitet?

Fragen, die sich kurz- und mittelfristig für jedes Unternehmen in der Finanzindustrie stellen. FIDA als regulatorische Anforderung ist hier sicher ein Katalysator – datengetriebenes Business entwickelt sich bereits heute in zunehmender Geschwindigkeit. Nicht umsonst wurde FRIDA e. V. deutlich vor FIDA ins Leben gerufen.

Fazit

Aus unserer Sicht gibt es viele triftige Gründe, sich bereits jetzt auf FIDA und Open Finance vorzubereiten, Know-how aufzubauen, Vorbereitungen zu treffen und das eigene Geschäftsmodell frühzeitig auf Open Finance auszurichten.

Wir seitens PPI engagieren uns nicht nur bei der Entwicklung der Schemes und in Fragen zu den technischen Aspekten einer FIDA-Umsetzung – wir unterstützen auch beim notwendigen Know-how-Aufbau und der Ausrichtung von Geschäftsmodellen, Produkten und Prozessen auf Open Finance. Um es mit Friedrich Wilhelm Nietzsche zu formulieren:

Die Zukunft beeinflusst die Gegenwart genauso wie die Vergangenheit.

Lassen Sie uns miteinander sprechen – wir stehen mit Rat und Tat zur Verfügung.

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