Sind die ersten KI-Anwendungsfälle erfolgreich umgesetzt, machen die im Livebetrieb gewonnenen Daten ein immer besseres Training möglich. Dadurch werden die Prognosen immer genauer, die Modelle immer besser. Allerdings kann dieses konstante Retraining die Effizienzgewinne durch die Einführung der jeweiligen Lösung wieder aufzehren. Es gilt daher, für jedes Modell individuell zu beurteilen, ob und in welchen Intervallen ein erneutes Training notwendig ist oder möglicherweise zunächst eine Messung der Modellqualität vorgeschaltet werden sollte. Dabei spielt auch der Verwendungszweck der Anwendung eine Rolle.
Ein Beispiel für regelmäßige Modellpflege sind zweifelsohne Systeme zur Fraud-Erkennung im Zahlungsverkehr. Verbrecher passen erfahrungsgemäß ihre Betrugsmuster regelmäßig an. Daher kann ein Anti-Fraud-System, das heute hervorragende Ergebnisse erzielt, schon wenige Tage später bei signifikanten Betrugsmustern versagen. Also ist es sinnvoll, die Modelle täglich automatisiert neu zu trainieren und mit den jeweils produktiven Algorithmen hinsichtlich der Prognosegüte zu vergleichen.
Auf der anderen Seite stehen Anwendungen zur Mustererkennung auf Bildern. So wurden bei PPI für das Produkt dibco KI-Modelle entwickelt, die auf Fotos den Fortschritt eines Hausbaus erkennen. Wird eine gewisse Qualitätsschwelle überschritten, lohnt ein weiteres Training kaum noch. Es empfiehlt sich lediglich, regelmäßig zu prüfen, ob die Modelle weiterhin auf die Grundgesamtheit angewendet werden, für die sie entwickelt wurden, also etwa Einfamilienhäuser oder Industriebauten. Wird auch die Prognosequalität überwacht, ist ein regelmäßiges Retraining verzichtbar.